Beziehungsglück als Anspruch

Das Streben nach Glück ist keine Erscheinung des 21. Jahrhunderts. Schon in der Antike beschäftigten sich Denker damit und in diversen Staatspapieren ist das Recht auf Glück niedergeschrieben. Das steht in der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung von 1776. Im selben Jahrhundert wurde das Ziel der Gesellschaft als das gemeinsame Glück in der französischen Revolutionsverfassung festgeschrieben. Neueren Datums ist das „Glücksnationalprodukt“ (als Alternative zum wirtschaftlich orientierten Bruttonationalprodukt) des Himalajastaates Bhutan, wo Glück Teil der Verfassung ist und es sogar ein Glücksministerium gibt.

Das Streben nach Glück ist also durchaus eine menschliche Konstante. Leider gibt es wenig Grund für eine kollektive Glückseligkeit. Wohin man auch schaut – man findet Konflikte, Krisen und Katastrophen und natürlich auch Leid, Krankheiten, Kriege und Tod. Ja in den letzten 50 Jahren ist die Menschheit nicht wirklich glücklicher geworden. Das schreibt das PM-Magazin mit Hinweis auf aktuelle Forschungsergebnisse. Vielleicht ist das auch der Grund, warum sich immer mehr Menschen nach Glück sehnen und Bücher zum Thema Glück reißenden Absatz finden. Die Politik scheint das Bedürfnis nicht wirklich zu erkennen, wenn auch Ökonomen und Bestsellerautoren wie Richard Layard eine neue Politik, welche die Gefühle der Menschen in den Mittelpunkt stellen sollte, fordern.

Die Psychologie hat sich dem neuen Trend schon längst angenommen. Einer der Vorreiter der „Glückspsychologie“ ist Martin Seligman – ein wirklich renommierter und wichtiger Psychologe, dem die negative und krankheitsorientierte Ausrichtung der (klinischen) Psychologie wohl zuviel wurde und sich der Glücksforschung verschrieben hat.

Es gibt also seit geraumer Zeit einen Trend in Richtung Glück – nur wo ist die Wirkung. Betrachtet man die Scheidungsraten, dann gibt es wohl noch wenig Auswirkungen und in der Bildung findet man dazu so gut wie gar nichts. Nun ist ein kollektive Glück für das Individuum nur bedingt akzeptabel – und es ein solches ja auch nicht. Jeder Mensch möchte persönliches Glück erfahren und dazu ist eine glückliche Beziehung notwendig. Die Beziehungstherapeutin Dr. Lieselotte Fieber meint dazu: „Beziehung ist ein Grundbedürfnis des Menschen und eine solche sollte von Glück getragen werden.“ Ihr Kollege vom Institut für Beziehungspsychologie, DDDr. Karl Isak setzt nach: „Glück ist der Garant für Beziehung, für Gesundheit und für eine funktionierende Gesellschaft.“ Isak, der neurowissenschaftlich arbeitet, begründet seine Meinung mit den neuronalen Prozessen und den Glückshormonen, die der Mensch braucht. Gehen diese ab, dann ist auch kein Glück möglich.

Isak und Fieber haben trotz der schlechten gesellschaftlichen Rahmenbedingungen eine gute Nachricht und behaupten, dass Glück auch lernbar ist. Dazu Isak: „Letztendlich geht es um einen neuronalen Vorgang, der Endorphine produziert und das wiederum ist steuerbar – mit aktiven Denkprozessen und mit Kommunikation. Natürlich braucht es dazu Anleitungen und Methoden – vor allem in Paarbeziehungen.“ Deshalb bieten die zwei Beziehungsglücks-Experten auch eigene Seminare zu diesem Thema an.

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